Auf die Schnelle …
Marie Mannschatz hat mehr als zwei Jahrzehnte in freier Praxis als Gestalt- und Körpertherapeutin gearbeitet. Sie praktiziert Vipassana-Meditation seit 1978 und wurde in den neunziger Jahren von Jack Kornfield zur Lehrerin ausgebildet. Marie Mannschatz lebt in einem Mehr-Generationen-Wohnprojekt am nord-östlichen Stadtrand von Hamburg.

 

…und etwas ausführlicher:

Meine Geschichte beginnt im zweiten Weltkrieg, in einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein, mit einem Tablett frisch gebackener Kekse, das unter der Nase eines jungen Soldaten vorbeisegelt. Er ist zweifellos der schönste Soldat in Hitlers zerfallender Armee, und er ist soeben mit dem letzten Verwundetentransport dem Grauen von Stalingrad entronnen. Die Kekse, für die meine Mutter berühmt war, versetzten meinen Vater in Alarmbereitschaft – er verliebte sich auf der Stelle in die Frau, die das Tablett trug. Wenige Jahre später, im September 1950, kam ich auf dem idyllischen Mühlenhof meiner Großeltern zur Welt und wuchs auf mit vielen Cousins und den Geschwistern meiner Mutter und Flüchtlingen aus Ostpreußen, die hier Unterschlupf gefunden hatten.

Wohngemeinschaft wurde dank dieser Kindheitserfahrungen meine ideale Lebensform. Gemeinsam konnte man sich kleine Paläste teilen: zu viert hinter dem Gewächshaus vom botanischen Garten in Berlin, zu viert im Jungfrauental in Hamburg, zu zehnt 400 qm lichtdurchflutete Fabrik-Etage am Paul-Linke-Ufer in Berlin-Kreuzberg, ein Dutzend Künstler in einer alten Datscha am Stadtrand von Moskau, WGs in London, Wien und Kalifornien, dazwischen zwei Jahrzehnte in Zweier-Beziehung.

Leben bedeutet für mich Schreiben. Mit vier Jahren habe ich es mir selbst beigebracht. Schulaufsätze waren meine Leidenschaft, mit zwölf Jahren wollte ich Schriftstellerin werden. Auf das Abitur an der Caspar-Voght-Schule in Hamburg folgte das Studium in Frankfurt, Soziologie und Sozialarbeit, im Anschluss daran Team-Arbeit an der Freien Universität Berlin, gemeinsamer Aufbau einer sozial-psychiatrischen Tagesklinik und Beginn der gestalttherapeutischen Ausbildung am Fritz-Perls-Institut(1973), ergänzt durch eine körper-therapeutische Ausbildung an der LOMI-Schule in San Franzisco, Kalifornien.

1978 Begegnung mit Jack Kornfield und Robert Hall, intensiver Einstieg in die Vipassana-Meditationspraxis. Von nun an jedes Jahr ein langes Retreat. Ausbildung in diversen Atem-Therapeutischen Methoden, besonders in Reichianischer Atemarbeit (Skan und Radix) und Gindler-Arbeit mit Frieda Goralewski und Michel Benjamin. Aufnahmeleitung bei einem Dokumentarfilm-Projekt über amerikanische Sioux-Indianer, Organisation großer Meditationskurse für Jack Kornfield, Joseph Goldstein u.a. in Deutschland, Dozentin für Körpertherapie an der TU Berlin, freie Praxis als Gestalt- und Körpertherapeutin bis Ende der neunziger Jahre.

1993 wurde ich von Jack Kornfield zur Ausbildung als Meditationslehrerin eingeladen. Eine Reihe mehrmonatiger Schweigekurse in der Insight Meditation Society, Mass., in Sri Lanka, Burma und Kalifornien legten die Grundlage für mein Unterrichten. Zehn Jahre habe ich zusammen mit Jack und anderen Kollegen vierwöchige Schweige-Retreats am Spirit Rock Meditation Center in Kalifornien unterrichtet, weitere Kurse gemeinsam mit Stanislav Grof, Tara Brach, Fred von Allmen, Sylvia Boorstein, Sylvia Wetzel und Frank Ostaseski. Erste Veröffentlichungen in den neunziger Jahren. 2002 erschien im Theseus Verlag mein erstes Buch, gefolgt von fünf weiteren Büchern im Gräfe und Unzer Verlag, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden.

“Beziehung ist Gegenseitigkeit. Mein Du wirkt an mir, wie ich an ihm wirke. Unsere Schüler bilden uns, unsre Werke bauen uns auf. … Wie werden wir von Kindern, wie von Tieren erzogen! Unerforschlich einbegriffen leben wir in der strömenden All-Gegenseitigkeit. … Der Mensch wird am Du zum Ich. Gegenüber kommt und entschwindet, Beziehungsereignisse verdichten sich und zerstieben, und im Wechsel klärt sich, von Mal zu Mal wachsend, das Bewusstsein des gleich bleibenden Partners, das Ich-Bewusstsein.”

Martin Buber

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